Ponys mit Trauma, wie alles begann
In letzter Zeit kommt in meinem Umfeld immer mal wieder das Thema “böse Pferde“, “verdorbene Pferde“, “schlecht erzogene Pferde“, “Pferde mit schlechten Erfahrungen“auf.
Ich möchte hier gern meine Erfahrungen und Gedanken dazu aufschreiben, vielleicht kann dies als Ratgeber oder Denkanstoß für Interessierte dienen.

Wie alles begann...

(Mozart, Hannoveraner, Stkm.1,74, *1996)
(Laureen, Welsh Cob D, Stkm. 1,51, *1997)

Solange ich denken kann, habe ich mich in meiner Freizeit am liebsten mit Pferden umgeben.

Als Kind, etwa mit 7 Jahren, habe ich etwas Voltigiert, und das Reiten in einer ganz normalen Reitschule gelernt. Alles schön nach Schema F, so wie es tatsächlich in vielen Schulbetrieben immer noch praktiziert wird.

Natürlich hatte ich damals keine Idee davon warum etwas so gemacht wird wie die Reitlehrerin es vorgab, aber schon damals fühlte ich mich merkwürdiger Weise immer zu schwierigen, unbequemen oder ungestühmen Pferden hingezogen.

Ich bildete mir ein zu sehen, das ihr Verhalten nur Fassade ist und sie eigentlich ein ganz anderes Wesen hatten als sie Zeigten.

Ohne da näher drauf einzugehen, zogen die Jahre mit der Schema F Handhabung vorbei, bis ich mich mit 21 Jahren dazu entschloss, mir selbst ein Pferd zu kaufen.

Mein erstes Pferd sollte, so das Ziel als ich auf die Suche ging, Schwarz sein, ein Friese oder Friesen-Mix, nicht zu groß (Max: Stkm1.60) haben, in jedem Fall jung und roh sein und auf gar keinen Fall ein Fuchs!!.

So zog ich los und schaute mir Pferde an....

Auf einem Hof, sollte ein 3 Jähriger dunkelbrauner Wallach verkauft werden, knapp 1,60, Friesen-Mix.

“Hört sich prima an, nichts wie hin“, dachte ich...

Dort angekommen, war ich ziemlich enttäuscht.

Optisch ein schickes Pferdchen...nur leider total desinteressiert und teilnahmslos.

Auf der Weide, beim Versuch Kontakt aufzunehmen, wurde ich beobachtet...

Ständig schlawenzelte ein zweijähriger um mich rum, steckte mir seine Nase ins Haar und spielte mit meiner Nase. “So ein netter“, hab ich gedacht aber 2 Jährig, ca 1,63 Stkm, 4xweiße Stiefel, Hannoveraner und...
ein Füchslein....

Na dachte ich, er ist so Charmant, der gefällt mir wohl, und sooo viel wird er wohl nicht mehr Wachsen...

So hat der Lümmel mich um den Finger gewickelt und was soll ich sagen, ich hab ihn gekauft den zarten Mozart.

Der kleine Charmeur entwickelte sich prächtig wurde auch nur 1,74Stkm.
Dann dreijährig fing ich an in zu arbeiten, weil man ja mal irgendwann von irgendwo gelernt hat das man Pferde mit drei Jahren einreitet.Ging auch alles wirklich gut und so ritten wir im nächsten Jahr schon fleißig über die Wiesen. Meistens am langen Zügel, diese “Dressurplatzreiterei“ war noch nie nach meinem Geschmack.

Bei unseren Ausritten kamen wir regelmäßig an einer “Verkaufsweide“eines Händlers vorbei, und irgendwann war es dann soweit, da stand SIE, Rappstute mit Friesentouch, etwa Endmass, mein Herz blieb fast stehen vor Entzückung.

Wir sind sofort nach Hause geritten, den Dicken versorgt und ab zu dem Händler auf den Hof.

Er sagte, ja die ist zu verkaufen, sollen wir mal hingehen.

“Na klar“ sagte ich und auf dem Weg dorthin klatschte ich innerlich schon in die Hände, vielleicht hüpfte ich sogar ein bisschen.

Auf der Weide angekommen war ich noch entzückter, perfekt sah sie aus.
Ihr Name war Laureen und sie war 2 Jahre alt, der Händler sagte, sie ist etwas Scheu und lässt sich schlecht Einfangen.

Naja dachte ich hock dich mal auf die Weide und guck was passiert. Die kleine Stute beäugte mich argwöhnisch, und obwohl sie immer so 3-4 mtr Sicherheitsabstand zu mir hatte, schien sie sehr interessiert an der komischen Tante die da mitten auf der Weide hockte und einfach nur schaute, das hatte sie offensichtlich noch nie gesehen.

Es kam ihr deutlich merkwürdig vor, aber aus irgendeinem Grund fand sie das auch spannend. Ich hatte immer das Gefühl das sie mit sich selbst diskutiert, “ich geht da jetzt mal gucken was die da macht“ und “ach nee lieber nicht“.

Nach ca 30 min. traute sie sich dann, und kam mit langer Nase und noch längerem Hals zumindest so weit heran das sie an meinem Knie Schnuppern konnte, sie überlegte kurz dann ging sie weg.

Ich dachte mir “Prima, sie ist interessiert, das bisschen Angst kriegen wir schon in den Griff“

So kaufte ich die kleine und ein paar Tage später bin ich zum Abholen mit meinem Dicken hingelaufen...

Eine Freundin war mit un den großen zu Führen, ich wollte die kleine nehmen.

Stütchen bezahlt, Papiere eingesteckt...auf dem Weg zur Weide sagt der Händler “Ich hoffe du hast zeit mitgebracht“, und mit einem fiesen Grinsen “das kann jetzt dauern“. Ich dachte mir so na schauen wir mal.

Tatsächlich ließ sich die kleine Maus recht schnell Überzeugen sich die komische Tante die letztens da so doof rumsaß mal anzugucken.

Von ihr fast unbemerkt konnte ich von unten vorsichtig den Strick in das Halfter einharken, aber dann kam ihre Reaktion.

Sobal sie merkte da ich sie am Halfter hatte, verdrehte sie die Augen, man sah fast nur noch das Weiß und Stieg wie eine verrückte, völlig Panisch und Out of Order.

Zum Glück hatte ich einen sehr langen Strick und konnte sie halten, denn sonst hätte ich mich ihr wohl nicht mehr nähern können. Als sie merkte das ihr das nicht hilft, fügte sie sich in ihr Schicksal. Ich war noch zittrig auf dem Weg nach Hause, sie aber orientierte sich an dem Großen und ging brav mit..

Damit begann für mich wirklich eine sehr schwere Zeit, mit vielen Tränen und verzweifelten Gedanken des Aufgebens.

Ihr Halfter war EINGEWACHSEN, das entfernten war für sie ein fürchterlicher Moment, Kopfscheu war sie eh schon, die Ohren durfte man nicht einmal ansehen geschweige denn anfassen oder ein Halfter drüber ziehen, das wurde sofort mir Steigen quittiert.

Kam man in den Stall drehte sie sofort den hintern zu einem, das Einfangen auf der Weide und die Behandlung ihrer Wunden, die das eingewachsene Halfter hervorgerufen haben, musste mit 4 Personen gemacht werden, uns sobald man sie am Halfter berührte Stieg sie. Aufhalftern ging nur in der Box und man hatte nur einen Versuch, danach stand sie immer kerzengerade da. 

Männer waren für sie das schlimmste aller Dinge, bis auf ihre verühmten 3-4 mtr durfte sich kein Mann nähern, ansonsten wurde dies mit Steigen quittiert. Trotz alledem, hat sie mich nie verletzt oder verletzen wollen.

Ich bin sehr oft an ihr Verzweifel, habe immer wieder daran gedacht sie abzugeben, daran das ich es mit ihr nicht schaffe. Habe dann auch Kontakt zu den Züchtern aufgenommen, die ihren Vater besitzen und um Rat gefragt.

Da erst wurde mir bewusst was für ein Pferdchen ich da überhaupt habe.

Laureen war ein Welsh Cob D, ok, da muss ich mich mal informieren. Die Züchter, Josef &Maria Kalvelage, die den Vater (Bimberg Ivanhoe) hatten, standen mir mit einer Engelsgedult und Rat zur Seite, dafür bin ich heute noch sehr dankbar.

So versuchte ich es weiter, es dauerte 2,5Jahre bis ich ihr das Halfter auf der Weide abmachen konnte, nichts von dem, was ich eimal über Pferdeausbildung gelernt hatte konnte ich mit ihr machen. Es herrschte immer das Problem das sie mit Flucht reagierte, wenn sie etwas hörte was sie nicht sehen kann.
Das “An den Reiter gewöhnen“ war eine Katastrophe obwohl das Gewicht und der Mensch auf dem Rücken an sich kein Problem darstellte, waren die Beine des Reiters ein riesen Problem, sie durften auf keinen Fall den Bauch berühren, dann war alles gut.

Das an den Sattel gewöhnen hat länger gedauert als alles andere, die Geräusche die der Sattel machte, waren schrecklich für sie, die Steigbügel eine Katastrophe. Monatelang habe wir nur den Sattel aufgelegt und ihn abgeklopft, für Zuschauer muss es an Tierquälerei gegrenzt haben. Sie machte mir schnell klar, mit einem englischen Sattel hatte es keinen Sinn, also wurde ein Westernsattel angeschafft, da schlapperten die Bügel zumindest nicht rum. Aller was ich mit ihr machte,musste sehr genau durchdacht sein, wenn sie sich erschrack oder ähnliches, hatte man Monatelang daran zu tun ihr die Angst davor wieder zu nehmen.
Der große Mozart entwickelte sich gleichzeitig schleichend zum möchtergern Hengst, mit Stuten wegtreiben wenn man sie holen wollte, zusammentreiben der Stuten wenn eine Rossig war, steigen und treten wenn ich ihn von der Weide holen wollte.....
Na Prima, dachte ich mir, jetzt drehen sie beide durch.
Auf der Suche nach Lösungen, nach gefühlten 3 Mio gelesenen Büchern über Problempferde und unzähligen Ratschlägen von anderen Pferdebesitzern und einer Bachblüten-Therapie traf ich dann eine Reitlehrerin die alles völlig anders machte.
Zu dieser Zeit machte ich das erste mal bekanntschaft mit der klassischen Bodenarbeit.
Sie lehrte mich den Körper einzusetzen, mich zum Herdenmitglied zu machen das verlässlich und klar ist. Unter ihrer Anleitung begriff ich erst WANN ich bereits Einfluss auf das Pferd habe, mit wie wenig Mittel ich bereits Kommunizieren kann.

Die Umsetzung mit dem großen Mozart war toll, er ist direkt darauf eingestiegen,im nachhinein würde ich sogar sagen, das er im Verhälnis immer sehr bemüht war zu gefallen und sich anzupassen. Aus diesem Grund gehe ich hier nicht weiter auf Ihn ein.Mozart hat mich als treuer Gefährte elf Jahre begleitet, als dann offensichtlich wurde das er am liebsten Dressurlektionen runterrattert und ich ihm dies lnicht ermöglichen konnte, hat Ihn seine Reitbeteiligung übernommen. Natürlich auch mit einem weinenden Auge, aber die beiden hatten so viel Spass zusammen, da hat das lachende Auge die Oberhand gewonnen.

Um wieder zum Thema zurück zukommen...
Bei der kleinen Laureen war noch mehr Fingerspitzengefühl von Nöten. Sie lief unter dem Reiter weg, bei der GHP lief sie wie ein Zitteral durch die Halle, nicht wegen Bällen, Planen oder Regenschirmen, nein wenn jemand gehustest oder sich geräuspert hat. Wenn  auf dem Putzplatz in der Halle ein Pferd stand war alles ok, aber wehe jemand hat die Tür zu gemacht und sie konnte es nicht mehr sehen. Dann war nur noch ein Zirkel reitbar. Ein Hand- und somit Schenkelwechsel, war immer verbunden mit einem Satz nach vorn.
Wenn ich vom Tag genervt oder gestresst zu ihr kam, brauchte ich nicht mal daran denken sie Einfangen zu können. Ich habe sooo viel Zeit damit verbracht einfach nur an der Weide zu sitzen und die Herde in der Interaktion zu beobachten, das ich die Stunden gar nicht mehr zählen kann. Aber ich muss sagen, für mein Empfinden habe ich in diesen Stunden mehr gelernt als in irgendeiner Lektion im Unterricht.
So wurde sie schlussendlich Reitbar, jedoch bin ich immer mit einem mulmigen Gefühl aufgestiegen. Immer saß mir die Befürchtung im Nacken etwas falsch zu machen und dann wieder Monatelang korrekturarbeit leisten zu müssen. Fremde konnten sie gar nicht reiten, da versuchte sie immer mit eingeklemmten Schweif unter raus zu rennen.

Als Laureen 6 Jahre alt war dachte ich mir, nagut, die Sache mit der Reiterei ist vielleicht nichts für sie und da sie eine gute Abstammung hatte könnte ich ja mit ihr auch Züchten. Vielleicht ist das eher eine Aufgabe nach ihrem Geschmack.
(Wie sich herrausstellte, war das "Mutter sein", tatsächlich Laureens Erfüllung. Sowohl in der Trächtigkeit als auch mit dem Fohlen bei Fuss, war sie so glücklich und zufreiden wie bei keiner anderen Sache.
Eine tolle Mutter, die nichts von ihren Unsicherheiten an nur eines der Fohlen weiter gab, somit war klar das es nicht in ihrer Natur lag sondern rein durch ihre Erfahrungen hervorgerufen wurde.
Insgesamt 8 Fohlen hat sie das Leben geschenkt, das letzte Fohlen bekam sie 2015, unsere kleine LaVita, im alter von 18 Jahren.)
Gesagt, getan im nächsten Frühjahr gings zum Hengst.

Unicorn Viscount war der Hengst unserer Wahl, ein toller ausgeglichener Hengst mit toller Nachzucht. Damit war dann auch der Grundstein für unsere Zucht gelegt..
Das alles ist nun 20 Jahre her, aber damit sollte noch lange nicht genug der “Problempferdchen“ sein.
Die Geschichte fängt gerade erst an.....
Laureen hat mir den Einstieg in alles was danach passiert ist ermöglicht, sie hat mir Bewusst gemacht das meine Energie, meine Ängste, meine Atmung, mein Denken, meine Erwartungen, von mir bis dahin unbemerkt, Einfluss auf die Arbeit mit den Pferdchen nimmt. Mir wurde bewusst, das ich, als echter Kontrollfreak, nichts unter Kontrolle hatte, am wenigsten mich selbst. 
Dabei war und ist sie bis heute, meine bei weitem die strengste Lehrerin........
In den nächsten Kapiteln möchte ich auf die folgenden “schwierigen“ Pferde eingehen.


 






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